Schule einmal anders!

Ein traditionelles Segelschiff und fremde Länder werden für sechs Monate zum Klassenzimmer

Reisebeschreibung von KUS 2011/2012

32 Schüler/-innen und eine 15 Mann/Frau-starke Stammbesatzung treten am 15.10.2011 den vierten KUS-Törn auf dem Dreimasttoppsegelschoner "Thor Heyerdahl" an. Von Kiel, dem Heimathafen der Thor Heyerdahl, ausgehend führt die Route über Teneriffa, die Kleinen Antillen St. Vincent and the Grenadines und Grenada, nach Panama und Kuba. In Panama und Kuba finden dreiwöchige Landexkursionen statt. Die Rückreise geht über die Bahamas, Bermudas und Azoren zurück nach Deutschland. Am 21.4.2012 wird die Thor Heyerdahl in Kiel zurück erwartet.

Ausrüstungs- und Werftzeit in Kiel (8.10. - 15.10.2011)

Foto Werftzeit Das KUS-Projekt beginnt für Stammcrew und Schülerschaft mit der Werft- und Ausrüstungszeit der Thor Heyerdahl in Kiel/Deutschland. Dazu reisen die Akteure eine Woche bzw. 4 Tage vor dem Auslaufen nach Kiel an. Während dieser Zeit wird das Schiff überholt und für das Schulprojekt hergerichtet und ausgestattet. So werden z. B. verschiedene technische Einrichtungen für die weltweite Fahrt geprüft, die Bibliothek eingerichtet und das Schiff verproviantiert. Die Schüler/-innen helfen während der letzten vier Tage bei der Ausrüstung ihres neuen Zuhauses mit.

Auslaufen in Kiel am 15.10.2011

Foto Auslaufen Am Samstag, den 15.10. um 11.00 Uhr verlässt die Thor Heyerdahl mit ihrer Crew den Bollhörnkai in Kiel und bricht zu ihrer 190 Tage langen Reise in die Neue Welt auf. Bevor es Richtung Teneriffa geht, verbringt das Schiff und die Crew den ersten Tag in der geschützten Ostsee mit Segeltraining. Erst danach geht es über den Nordostseekanal in den Englischen Kanal durch die Biskaya nach Teneriffa, wo sie nach drei Wochen in St. Cruz de Tenerife einlaufen werden. Diese erste Etappe auf See dient dem Kennenlernen des Bordalltages und der Bordroutine, dem Erlernen der Grundlagen der Seemannschaft sowie der Vorbereitung und Einarbeitung in die Projekte. Zum Bordalltag gehören alle Aufgaben des Wachdienstes wie z. B. Ausguck gehen, Rudergehen, Segel setzen und bergen sowie Navigieren. Darüber hinaus gibt es Aufgaben, die zum Leben an Bord gehören, wie z. B. Backschaft (Küchendienst) und Reinschiff (Reinigen).

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Teneriffa - St. Cruz de Tenerife (6.11. - 14.11.2011)

Foto Teneriffa Das Einlaufen in St. Cruz de Tenerife ist für den 6.11.11 geplant. Hier lernen die Jugendlichen die deutsche Schule kennen und erleben den dortigen Schulalltag. Geplant ist weiterhin eine Übernachtung in den Familien der Schüler der dt. Schule, um in einen kanarischen Familienalltag hinein schnuppern zu können. Nach dem Genießen dieser Gastfreundlichkeit werden die Schüler der deutschen Schule zu einer Tagesfahrt auf der Thor Heyerdahl eingeladen, bei der unsere Jugendlichen ihre in der ersten Etappe erworbenen Kenntnisse unter Beweis stellen müssen. Neben diesen interkulturellen Begegnungen erkunden die Jugendlichen kulturelle und biologisch/geologische Besonderheiten der Insel. Sie folgen den Spuren großer Entdecker und Forscher wie Alexander von Humboldt und Thor Heyerdahl: Eine von den Jugendlichen selbst organisierte zweitägige Trekkingtour auf den Pico de Teide, den höchsten Berg Spaniens mit 3718 m, und der Besuch des Thor Heyerdahl Museums in Güimar, das die Besiedlungsgeschichte der Kanarischen Inseln wiedergibt, stehen auf dem Programm. Am 14.11.11 startet die Thor Heyerdahl, nach ausführlicher Verproviantierung, zu der längsten Etappe auf See, der Atlantiküberquerung, mit dem Ziel Neue Welt.

Atlantiküberquerung (15.11. - 7.12.2011)

Foto Atlantiküberquerung In dieser Seeetappe beginnt ein neuer Rhythmus an Bord. Neben dem Schiffsbetrieb gehören nun planmäßig Unterricht, Projektarbeiten und Praktika zum Bordalltag. Bekannte Unterrichtsfächer wie Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Erdkunde, Geschichte, Mathematik, Physik und Spanisch aber auch astronomische Navigation, Theaterspiel und Musik (Bordband) stehen auf dem schulischen Programm. Die Inhalte richten sich vorrangig nach dem Reiseverlauf, so wird z. B. in Biologie das Ökosystem Meer, in Erdkunde die Windsysteme und in Physik die Segeleigenschaften durchgenommen. In der Freiarbeit bearbeiten die Schüler selbstständig ihre Projektthemen. Neben Schiffsbetrieb, Unterricht, Projekten und Praktika gibt es noch weitere Höhepunkte: am 6.12. steht auf hoher See eine Verabredung mit dem Nikolaus an und gegen Ende der Atlantiküberquerung werden die Schüler zum ersten Mal das Schiff übernehmen.

St.Vincent and the Grenadines & Grenada (8.12. - 18.12.2011)

Foto St.Vincent Bei guten Windverhältnissen und guter Navigation während der Schiffsübergabe wird nach 24 Tagen auf See die Thor Heyerdahl an einer Insel der kleinen Antillen im Staat St. Vincent and the Grenadines vor Anker gehen. An einem weißen Sandstrand unter Palmen finden die ersten Begegnungen mit der karibischen Welt statt. Das türkisblaue Wasser wird zum Klassenzimmer des Biologieunterrichts. Lehrer und Schüler - alle mit Taucherbrillen und Schnorchel bewaffnet - unternehmen Exkursionen zum Riff, um dieses Ökosystem zu erkunden. In Grenada stehen neben der Verproviantierung Erkundungen ins Inselinnere an.

Karibik Teil I (19.12. - 26.12.2011)

Foto Karibik Die Thor Heyerdahl segelt 9 Tage durch die karibische See Richtung Panama. Weihnachten einer anderen Art steht für die Gruppe auf dem Programm. Dieses Fest, das für viele das erste Mal außerhalb des Kreises ihrer Familie und ihres trauten Heimes sein wird, findet voraussichtlich auf See oder vor Anker an einer der kleinen karibischen Inseln, die wir passieren, statt.

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Panama (27.12.2011 - 20.1.2012)

Foto Panama In Panama wird die Thor Heyerdahl zunächst die San Blas Inseln anlaufen und die Schüler erleben für einige Tage die Welt der Kuna-Indianer. Dort, in dieser fremden Welt, feiern wir Silvester, wobei die Schiffsbesatzung circa sieben Stunden später als in Deutschland in das Jahr 2012 rutschen wird. Nach einigen Tagen auf den San Blas Inseln gehen die Schüler nahe Colon gemeinsam mit zwei Lehrern für eine dreiwöchige Landexkursion von Bord. Die erste Station fernab vom Schiff ist der tropische Regenwald nord-östlich von Colon. Hier werden sie mit ortskundigen Biologen das zweite Ökosystem, den Regenwald, untersuchen.
Anschließend steht der Großstadtbesuch von Panama City an. Auf dem Programm stehen Besichtigungen historischer und kultureller Gegebenheiten sowie der Panamakanal und die Altstadt. Nach drei Tagen Panama City durchquert die Gruppe mit öffentlichen Verkehrsmitteln Panama Richtung Westen bis nach Boquete. Boquete ist ein kleiner Ort, der im westlichen Hochland liegt und von Nebelwald umgeben ist. Dort verbringen die Schüler eine Woche in panamaischen Familien und lernen Spanisch in der dortigen Sprachenschule. Dieser Aufenthalt bietet ihnen weitere Gelegenheiten, Land und Leute kennen und verstehen zu lernen sowie die kulturellen Unterschiede in diesem Land zu erfahren. Ihre Freizeit verbringen sie mit ihren "neuen" Familien und mit der Erforschung des Nebelwaldes sowie auch dem Kennenlernen des Kaffeeanbaus (von der Bohne bis in die Tasse).
Der Abschluss des Aufenthaltes führt in den Regenwald des "Parque International La Amistad" zu einer weiteren Indianergruppe - den Naso-Indianern. Mit Einbäumen gelangen sie zu den Dörfern und tauchen für einige Tage in eine weitere Kultur Panamas ein.
Mit vielen neuen unterschiedlichen Eindrücken gehen die Schüler in Bocas del Toro zurück auf ihr Schiff, um gemeinsam mit der Stammbesatzung am 20.1.12 Richtung Kuba auszulaufen.

Karibik Teil II (21.1. - 28.1.2012)

Foto Karibik Diese Etappe ist davon geprägt, die vielen neu gewonnenen und fremden Eindrücke zu verarbeiten und den Landaufenthalt Kuba vorzubereiten wie z. B. die fünftägige Kleingruppenexkursionen. Der Bordalltag läuft im normalen Betrieb weiter und hilft den Jugendlichen beim Verarbeiten der vielen Eindrücke.

Kuba (29.1. - 19.2.2012)

Foto Kuba Ein Höhepunkt der Reise ist der Aufenthalt auf Kuba. Dieses Land bietet durch seine Geschichte, durch sein politisches und wirtschaftliches System, aber vor allem durch seine Bewohner vielfältige Möglichkeiten, interessante Einblicke in eine andere Welt zu bekommen. Das Programm in Kuba wird teilweise gemeinsam der ICAP (Instituto Cubano Por La Amistad Del Pueblo) durchgeführt.
Die Jugendlichen werden in Maria La Gorda, einer wunderschönen kleinen Bucht mit weißem Sandstrand und Palmen, die ganz im Westen von Kuba liegt, per Dingi an Land gesetzt. Von hier bricht die Gruppe mit Fahrrädern Richtung Pinar del Rio auf. Die 2-tägige Fahrradtour führt durch kleine Ortschaften und verlassene Landstriche - ein langsamer Einstieg in die neue Kultur. In Pinar del Rio besuchen die Schüler ein Hochbegabten-Gymnasium und verbringen einige Tage mit kubanischen Schülern. Von ihnen werden sie in die landesüblichen Bräuche und Sitten eingeführt. Dazu gehören der Unterricht und das gemeinsame Arbeiten auf den Feldern. Mit den Fahrrädern geht es dann weiter nach Vinales, dem Haupttabakanbaugebiet Kubas. In Vinales werden die Tabakpflanze und deren Produktion bis zur fertigen Zigarre sowie die für diese Gegend typischen Kalksteinhöhlen erforscht.
In der nächsten Woche erkunden die Jugendlichen in Kleingruppen unterschiedliche Landesteile von Kuba. Diese Exkursionen wurden von den Schülern schon an Bord selbstständig vorbereitet.
Die letzte Woche ist Havanna vorbehalten. Neben einer Altstadtbesichtigung Havannas versäumen sie es nicht, Ernesto Hemingways Wirkungs- und Inspirationsstätten auf Kuba zu besuchen. Auf seinem Anwesen werden die Schüler Auszügen aus seinem dort verfassten Roman "Der alte Mann und das Meer" lauschen.
Die Thor Heyerdahl holt die Gruppe am 19.2. im Hafen von Havanna ab, um die Reise Richtung Bermudas fortzusetzen.

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Atlantiküberquerung Teil 1 (20.2. - 1.3.12)

Foto Atlantik Nun treten die Schüler, zumindest geographisch gesehen, ihre Heimreise an, die jedoch zwei Monate dauern wird. Der westlichste Punkt wurde mit Kuba erreicht, nun geht es wieder Richtung Osten - Richtung Europa. Dazwischen liegt der nördliche Nordatlantik, der noch einmal alles an Können, Kraft, Ausdauer und Teamgeist abverlangen wird.
Der Bordbetrieb wird, wenn es das Wetter erlaubt, wie bisher fortgesetzt. Das bedeutet, dass Schiffsbetrieb, Unterricht, Projekte und Praktika fortgeführt werden. In dieser Etappe findet die zweite Schiffsübergabe statt, die sich in ihrer Länge, ihrer Anforderung und in ihrem Umfang deutlich zur ersten steigert. Ziel der Schiffsübergabe ist die Ansteuerung des Hafens St. George auf den Bermudas.

Bermudas (1.3. - 7.3.12)

Foto Bahamas Auf den Bermudas ist nun Gelegenheit, die vielen unterschiedlichen Eindrücke zu verarbeiten und dem Mythos des Bermudadreiecks auf den Grund zu gehen. Neben Unterricht und Inselerkundungen wird der Aufenthalt dazu verwendet, das Schiff neu zu verproviantieren.

Atlantiküberquerung Teil 2 (8.3. - 24.3.12)

Foto Atlantik In diesen zweieinhalb Wochen auf See kann wieder Alltag einkehren. Im Unterricht werden nun vorrangig die Inhalte des Lehrplanes der 10. Jahrgangsstufe angeboten, so dass die Schüler nach der Reise mit wenig Reibungsverlusten ihre schulische Laufbahn fortsetzen können.

Azoren (25.3. - 1.4.12)

Foto Azoren Hier betreten die Schüler erstmals wieder europäischen Boden. In dem bekannten Seglerhafen Horta auf Faial wird die Thor Heyerdahl für sieben Tage festmachen. Auf den Azoren stehen historische Themen wie der Walfang und -verarbeitung auf dem Programm. Dazu werden die Jugendlichen mit Biologen zum Whalewatching ausfahren. Darüber hinaus lässt es sich die Gruppe nicht nehmen, auch den höchsten Berg Portugals, den Pico, zu besteigen. Abends sitzt man dann in geselliger Runde im berühmten Seglertreff "Peter Cafe Sport" und berichtet von seinen Erlebnissen. Die Azoren bedeuten auch den Abschluss der Projekte und des Unterrichts, denn die letzte Etappe ist ausschließlich dem Schiffsbetrieb vorbehalten.

Einlaufen in Kiel am 21.4.2012

Foto Einlaufen in Hamburg Nach 190 Tagen, am 21.4.2012, führen die Jugendlichen die Thor Heyerdahl in ihrer letzten Schiffsübergabe in den deutschen Zielhafen Kiel zurück. Diese letzte Schiffsübergabe ist aufgrund des Seegebietes (Englischer Kanal, Nordsee, Elbeaufwärts bis Hamburg) mit ungefähr acht Tagen die Längste und Anspruchvollste. Nach ungefähr 12000 Seemeilen und mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen reicher, kehren die Jugendlichen in ihre Familien und in ihr Leben zuhause zurück. Das große Abenteuer "Schule einmal anders" ist vorbei.

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KUS